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(kein) Essen im Tank aber E10 kann trotzdem weg!

Ja, E10 kann weg, aber aus anderen Gründen als aus den bei diesem Thema immer wieder gerne strapazierten und viel zu einfach gestrickten Zusammenhängen,  denn Lebensmittel, oder genauer gesagt Grundnahrungsmittel wie eben Getreide, Mais und Co. werden deshalb nicht mehr billiger. All denen, die bei E10, respektive Biokraftstoff lautstark aufschreien, entgeht leider immer gerne, dass genau mit Getreide, Mais, aber auch mit Fleisch schon immer an der Börse spekuliert wurde und nach wie vor spekuliert wird. Und deshalb müssen die armen Mexikaner auch weniger wegen Biospit immer mehr auf ihr Nationalgericht, der Tortilla verzichten, sondern weil Finanzkrise, Spekulatentum, Naturkatastrophen und stetig steigende Nachfrage Nahrungsmittelteuerungen provozieren. Und hinzu kommt insbesondere, dass Anbauflächen (jedoch nicht in Deutschland) mehr und mehr der Nahrungsmittelproduktion zur "Fleischgewinnung" dienen, was wesentlich lukrativer ist als etwa Getreidespeicher zu füllen, um Krisen und etwaige Engpässe zu vermeiden. Genauer betrachtet wenngleich stark vereinfacht, trägt man zu dieser Thematik konstruktiver bei, wenn man sich weniger mit dem Tanken von E10 befasst als beispielsweise mehr mit dem steigenden Fleischkonsum der Menschen, der in diesem Zusammenhang weitaus mehr ins Gewicht fällt als etwa die Subventionierung von Biosprit.

Ich muss daher auch ein wenig schmunzeln wenn ich dann wieder so einen hysterischen NGO-Newsletter, „Nur noch 3 Tage: Kein Essen in den Tank!“ von  Bekannten weitergeleitet bekomme, die sich leider selten die Mühe machen, die Sachverhalte ein wenig genauer zu prüfen.

Ja, E 10 kann weg, sein umweltfreundlicher Nutzen ist höchst umstritten und die Förderung und Subventionierung in Dritte Welt Länder ist schlicht katastrophal, da hier tatsächlich Ackerfläche zweckentbunden dauerhaft verloren geht. Und in besagter Rundmail von footwatch heißt es dann auch:

„...Bauern erhalten Unterstützung aus Steuergeldern, wenn sie auf ihren Äckern Pflanzen anbauen, aus denen Sprit für Kraftfahrzeuge hergestellt wird. Das Problem: Wo Energiepflanzen wachsen, werden keine Nahrungsmittel angebaut - und je mehr Fläche zur Produktion von Biosprit aufgewendet wird, umso weniger Ackerland steht zum Anbau von Getreide oder Mais für Lebensmittel zur Verfügung. Dadurch werden Lebensmittel teurer und die Hungerkrise verschärft. „

Dennoch, in Deutschland wird E10 nachhaltig produziert und beeinflusst die Nahrungsmittelindustrie nur wenig und in überschaubaren Maßen und genau so trifft uns eine Teuerung von Getreide oder Nahrungsmittel eher geringfügig. Denn wie gesagt, hat das eine mit dem anderen weniger zu tun als man gerne glauben möchte. Der deutsche Bauer kann sich explizit aussuchen, ob er der Agrarindustrie oder der Rohölindustrie zuliefern möchte und (nicht nur) für Letzteres wird er subventioniert. Nur wird er das ohnehin und sowieso und wenn es brennt (auch an den Börsen…) oder er aus klimatischen Gründen (Stichwort Klimawandel) große Ernteausfälle hat, dann wirkt sich das auf die Preise aus und genau das tut es seit geraumer Zeit stetig - auch bei uns. Nur sind die Hauptgründe dafür eben genau nicht der Missbrauch von Ackerflächen für den Anbau von Biosprit! Noch einmal footwatch aus besagter Mail dazu: „...Die Lage ist dramatisch: Weltweit explodieren derzeit die Nahrungsmittelpreise. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt vor einer neuen Hungerkrise. Viele Faktoren beeinflussen die angespannte Situation: Die verheerende Dürre in den USA, die wachsende Weltbevölkerung oder die enorme - und weltweit steigende - Nachfrage nach Fleisch, wodurch wertvolles Ackerland zur Futtermittelproduktion genutzt wird. Spekulationsgeschäfte auf Agrar-Rohstoffe heizen die Preissteigerungen zusätzlich an....“

Hier werden die Gründe für international steigende Nahrungsmittelpreise sauber von der E10-Debatte getrennt und deutlich wird, dass der Wahnsinn ja doch etwas komplizierter ist, liebe Newsletter-Weiterleiter!

Hierzulande bekommen wir das beinahe ständig und als Unbill unseres vermeintlichen Reichtums als Teuerungsrate aufgetischt, die uns nicht gleich verarmen lässt aber vergleichsweise wenig mit E10 zu tun hat. Dennoch den größten Teil der (globalen) Bevölkerung deshalb immer härter trifft, weil dieser immer ärmer wird im Vergleich zu den wenigen, die trotz der fast 1,80€ pro Liter Sprit immer noch fleißig und Rindersteak-vollgefressen durch die Gegend rasen und die Straßen vollstauen mit ihren Mittelklasse- und Gelände-fähigen Statussymbolen, während unser ebenfalls vollgefressenes Knödel-Parlament im Biosprit doch tatsächlich den Erlöser aller Energieprobleme sieht. Zumindest was die Unabhängigkeit von Rohölpreisen betraf, sah es da den Heilsbringer und stopft seitdem den Bauern die Kohle in den Hintern, anstatt den Entwicklern und Wissenschaftlern (wo doch eine von den ganz wichtigen angeblich Naturwissenschaftlerin ist...). Und das ist das Problem. 
Ja, denen sollten wir auf die Füße treten aber weniger, um den Bauern nun die Subventionen z.B. für Biosprit zu kappen sondern mehr, um ihnen aufzuzeigen, dass die Energiebilanz in Sachen E10 aus ihrem Verständnis absolut nicht aufgeht und das sie endlich mal anfangen müssten, heilige Kühe zu schlachten. Sprich, die Autoindustrie hinsichtlich ihrer Entwicklungen mal auf zeitgemäße Anforderungen einzunorden und der bisher landläufigen und ewig gestrigen Verkehrsphilosophie und der 200km-schnellen, sprichwörtlich morbiden Mobilität den Garaus machen! 

Die ganze Diskussion wird leider ständig und völlig verfälscht und wie üblich bei Meinungsmachung, verzehrt, denn nein, in Industrieländern verhungert keiner, weil ein anderer E10 tankt, das ist totaler Quatsch, er stirbt entweder, weil er von einem Geländewagen tot gefahren wird oder an einem Hirntod, weil er die Welt nicht mehr versteht, in der Diskounter plötzlich die Preise anheben mussten, weil man Bauern die Subventionen strich. Und was kümmern uns Schwellenländer, die neuerdings auch immer reicher werden und Wohlstandsattitüden anmelden, die Nachfrage immer mehr erhöhen und damit zu globalen Preissteigerungen beitragen? Oder mit anderen Worten, die Dritte Welt eignet sich immer weniger zu unserem kostengünstigen Wohlstand, denn immer mehr Menschen wollen vom dem immer weniger Vorhandenem, nämlich Energie und Essen! Und das macht die Diskussion um E10 geradezu lächerlich und marginal! Die Armut hat uns noch nie wirklich interessiert, solange sie weit genug weg war! Fangen wir z.B. damit an, unseren Fleischkonsum zu drosseln und falls wir das nicht können, sollten wir bereit sein, mehr Geld für Fleisch auszugeben. Als eine der vielen und möglichen Schlussfolgerungen aus den in Teilen hier genannten Ursachen für eine globale Nahrungsmittelverteuerung kommen wir schnell zu der Erkenntnis, dass wir damit wesentlich mehr gegen diese bedrohliche Entwicklung beitragen als wenn wir nur unreflektiert „kein-Essen-in-den-Tank“ nach äffen.  

Ich tanke wie gesagt kein E10, aber nicht, weil sich die Mexikaner ihre Tortilla nicht mehr leisten können, sondern hauptsächlich, weil die Energiebilanz und der Umweltnutzen äußerst strittig sind und sich auch die KFZ-Fachleute nicht in der Lage sehen, E 10 bezüglich seiner Verträglichkeit eine Unbedenklichkeitsbescheinigung auszustellen. Es sollte einfach nicht subventioniert werden sondern die Entwicklung von leichteren und spritsparenden Fahrzeugen massiver gefördert werden. Hier muss der Staat die Autoindustrie ermutigen - alles andere ist purer Ökopopulismus!

Text ansonsten frei erfunden, schickt mir ruhig weiter das ganze NGO-Zeugs, nur erwartet nicht, dass ich das jedes Mal unreflektiert weiter spame!

 

 

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