...und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen"

"Die Datenfresser", ein Buch von Constanze Kurz und Frank Rieger. Auf 260 Seiten beschreiben die Beiden, warum man sich heute noch um Datenschutz und den Schutz der eigenen Privatsphäre kümmern muss und was die technologischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen dabei sind. Vor dem Hintergrund des NSA-Skandals gewinnt dieses Buch, das im April 2011 erschienen ist, natürlich noch einmal mehr an Aktualität, wenngleich es nur im Ansatz zum Verständnis einer inzwischen gigantischen Datensammelwut beiträgt. Buchbesprechnung auch unter literarisches.

Ein Ausschnitt aus dem Buch:

"Der Einwand »Aber ich habe doch nichts zu verbergen« basiert auf der naiven, aber anmaßenden Annahme, daß die anderen gefalligst auch nichts zu verbergen haben.
Wenn alle über alle alles wüßten, wäre die Welt eine bessere. Doch meist läßt sich bei den lautstarken Vertretern dieser Ansicht sehr schnell ein Punkt finden, den sie auf gar keinen Fall mit dem Rest der Menschheit teilen möchten. Dabei geht es nicht einmal um Untaten oder Vergehen. Oft genug sind es Krankheiten, kleine Persönlichkeitsbesonderheiten, wirtschaftliche Probleme oder sexuelle Vorlieben, die Menschen einfach für sich behalten möchten, nicht zuletzt, weil sie nicht ganz zu Unrecht vermuten, daß sie dafür von anderen abgeurteilt, diskriminiert, geringgeschätzt oder benachteiligt werden könnten.
Die Wahrheit ist doch: Jeder Mensch hat etwas zu verbergen. Die Frage lautet am Ende immer nur: Vor wem? Nicht umsonst werden die meisten Menschen beim Gedanken an ihre Gesundheitsdaten nachdenklich. Wer einmal in den Verdacht gerät, angeschlagen oder nicht mehr leistungsfahig zu sein, kann seine Karriere in einigen Unternehmen bereits als beendet betrachten. Statt seiner wird dann eher der Jüngere, Gesündere, potentiell Leistungsfahigere bevorzugt, befördert und weitergebildet. Aus Sicht des Unternehmens eine vielleicht verständliche Vorgehensweise, für den Betroffenen eine Katastrophe."

Eine freie Leseprobe als pdf gibt es auch hier.

Nun, nachdem wir vom Umfang der Ausspähaffäre durch den NSA erfahren haben und in dieser Angelegenheit täglich mehr an die Öffentlichkeit gerät, ist klar, dass das Thema eine völlig neue Dimension angenommen hat und so können die beiden Autoren auch kaum Auswege aus dieser Situation aufzeigen, dafür halten sie unter http://datenfresser.info/ aber einige nette Hinweise und Anregungen zur digitalen Mündigkeit bereit, von denen ich einige Tipps besonders empfehlen kann.

Zudem empfehle ich zur Ausspähaffäre den Artikel Die Mensch-Maschine: Geheimdienste außer Kontrolle von Sascha Lobo von S.P.O.N.

Ja und die Frage zum Schluss, warum denn selbst die Bundeskanzlerin nicht sicher ist vor Abhöraktionen und Lauschangriffen auf ihr Handy, ist aus meiner Sicht plausibel erklärt. Sie ist sich der Gefahr des Angriffs auf unsere Grundrechte und damit auf unsere Freiheit schlicht und einfach noch immer nicht bewusst! Sie hat das Ausmaß dieser Affäre und die Konsequenzen, welche diese für einen Staat und eine Gesellschaft haben wird, nicht begriffen, sie "wartet da lieber", weil sie nicht weiß, was es wirklich zu schützen gilt. Mit Handys kennt sie sich also genauso wenig aus, wie mit dem Internet, andernfalls wäre sie abhörsicher und geschützt oder wenigstens gut beraten, dafür zu sorgen. Nur wenn sie es schon für sich selber nicht gewährleiten kann, selber völlig ungeschützt ist, wie soll sie dann erst die Interessen eines ganzen Volkes schützen? Nein, sie hat einfach noch nicht begriffen, worum es wirklich geht, sie hält Selbstschutz, Datenschutz und all diese Dinge für nicht nötig. Siehe dazu auch meinen letzten Artikel.

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