...wenngleich viele Menschen die Bedeutung des Wortes inzwischen genauso wenig deuten können wie sie den Nutzen erkennen können, der ihnen per Grundrecht auf Anonymität verankert wurde. Zur Erinnerung:

Bei  der Anonymität handelt es sich um etwas, was selbstverständlich sein sollte und noch dazu für deutsche Bürger verbrieft ist: Im Grundrecht verankert sind sowohl die Meinungsfreiheit als auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und die Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme ("IT-Grundrecht"). Ein Recht auf die anonyme Nutzung von Internetdiensten ist außerdem in Paragraf 13 des Telemediengesetzes garantiert: "Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist."
Wenn konservative Politiker diese Prinzipien mit ihren Rufen nach einem Klarnamenzwang nun aufweichen wollen, gefährden sie die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit: Nur die Freiheit, anonymisiert kommunizieren zu dürfen, gewährleistet freie Kommunikation. Journalisten müssen ihre Informanten schützen können, Anwälte ihre Zeugen, Seelsorger ihre Patienten, Verbraucherschutzportale ihre Tippgeber. Klar, mit Verschlüsselung lassen sich Gesprächsinhalte gegen Mithörer absichern, aber wer wann mit wem Verbindung aufgenommen hat, bleibt abgreifbar und lässt sich nur mit technischer Anonymisierung verschleiern.
In den letzten Jahren haben die deutschen Gerichte dazu klare Worte gesprochen. Das Oberlandesgericht Hamm wies 2009 in seinem wegweisenden Urteil auf den sogenannten Chilling-Effekt hin: "Die Verpflichtung, sich namentlich zu einer bestimmten Meinung zu bekennen, würde allgemein die Gefahr begründen, dass der Einzelne aus Furcht vor Repressalien oder sonstigen negativen Auswirkungen sich dahingehend entscheidet, seine Meinung nicht zu äußern. Dieser Gefahr der Selbstzensur soll durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung entgegen gewirkt werden." Die Quasi-Garantie anonymer Nutzung im Internet ist dem Gericht zufolge wesentlicher Bestandteil des Schutzes der Meinungsäußerungsfreiheit.
Oft wird argumentiert, es seien doch die Nutzer selbst, die ihre Privatsphäre aufgeben, indem sie privateste Dinge bei Facebook, Google und Co. teilen. Wer so handele, benötige kein Recht darauf, unbeobachtet bleiben zu dürfen. Ohnehin sei die Ära der Post-Privacy längst angebrochen. Das sollte den anderen aber nicht das Recht auf ihre informationeile Selbstbestimmung nehmen: Jeder muss selbst entscheiden können, welche personenbezogenen Daten er zur fremden Verwendung preisgibt.

Quelle: c't

Und wer sehen möchte, wie viele Spuren man so hinterlässt beim Surfen, dem sei folgender Link nahegelegt: JonDonym oder https://www.anonym-surfen.de/

 

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren