Zu Harun Farockis Weggefährten während der sich zunehmend politisierenden 60er Jahre gehörten nicht nur ein späteres RAF-Mitglied sondern auch der Regisseur Wolfgang Petersen. Auf der Berliner Film- und Fernsehakademie, die Farocki ab 1966 besuchte, träumte man von einem neuen, radikaleren Kino. Farockis Metier wurde in der Hauptsache der politische Dokumentarfilm, seine Themen: Konsum, Krieg und die Macht der Bilder, später besonders die der Digitalen, "Der Mensch als Pixel". In den 70er Jahren war er zudem als Redakteur und Autor u.a. für "Filmkritik" tätig.

Ab den späten 90er Jahren arbeit er mit Christian Petzold, u.a. "Die innere Sicherheit", "Barbara" als Co-Autor zusammen. Eines seiner beeindruckensten Statements neben den Filmen, die er gemeinsam mit Petzold machte, war sicherlich "Ein Tag im Leben der Endverbraucher" und für mich dann u.a. "Immersion", eine Virtual-Reality Videoinstallation - als therapeutisches Virtual Iraq zur Behandlung traumatisierter Soldaten gedacht. Die Immersions-Therapie lässt den traumatisierten Patienten das Schlüsselerlebnis wiederholen. Diese Installation hatte ich im Vorfeld einer Podiumsdiskussion gesehen, die im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften 2013 der Freien Universität Berlin stattfand und die gemeinsam zwischen Frank Castorf, Farocki und Angehörige sowie Studierende der Theater- und Filmwissenschaft geführt wurde.

In der filmischen Nachbereitung dieser Podiumsdiskussion, die leider nicht veröffentlicht ist, erlebte ich Harun Farocki, den der Spiegel  als einen "großen unruhigen Geist" beschreibt, als unglaublich unpretentiös, ruhig und besonnen, sehr nachdenklich aber von äußerst inspirierendem Geist. Was mir besonders an ihm auffiel, war die Wachheit und kluge Distanz, die er stets selbstsicher und gegenüber allen medialen Absorbtions- und Einlullungspotentialen gegenüber aufrecht zu halten vermoche. Nun ist dieser einzigartige Filmemacher im Alter von 70 Jahren kürzlich leider schon gestorben. In den kommenden Wochen läuft "Phönix", der letzte Film von Farocki gemeinsam mit Petzold an, der nun Harun Farockis Vermächtnis sein wird.

Harun Farocki was and is, irreplaceable. We are proud to have counted ourselves among his many, many friends.

Quellen & Links:

 

 

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