Schmelzen die Pole?

Die Situation an den Polen ist nicht eindeutig. Am Südpol ist es in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend kälter geworden. Wenn von einer Erwärmung die Rede ist, bezieht sich dies in der Regel auf die antarktische Halbinsel. Die macht allerdings nur sieben Prozent der antarktischen Landmasse aus. Am Nordpol ist es hingegen tatsächlich wärmer geworden. Allerdings gibt es sehr große regionale Unterschiede. Der Nordpol besteht aus auf dem Wasser schwimmendem Eis, das den Meeresspiegel beim Schmelzen nicht ansteigen lässt (genauso wenig wie ein Eiswürfel im Wasserglas). Abschmelzende Eismassen auf den Festlandsockeln der Antarktis oder Grönlands würden den Meerespegel aber sehr wohl ansteigen lassen. Diese Eismassen verändern sich derzeit; während das Eis an den Rändern teilweise abnimmt, kommt im Inneren durch Niederschlag neues hinzu. Die Antarktis scheint insgesamt stabil, in Grönland soll zwischen 1993 und 2003 ein Nettoverlust an Eismasse zwischen 50 und 1oo Gigatonnen pro Jahr stattgefunden haben. Diese Jahresmenge entspricht grob abgeschätzt einem Fünfzigtausendstel des gesamten Eisschildes. Jüngste Forschungen datieren das Alter des grönländischen Eisschildes auf 130 ooo bis eine Million Jahre. Damit scheint nachgewiesen, dass der Eispanzer stabiler ist als vielfach angenommen und mindestens eine Warmzeit überstand, deren Temperaturen um mehrere Grad über den heutigen lagen.

Steigt der Meeresspiegel immer schneller an?

Der Meeresspiegel stieg am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 1o ooo Jahren rasch, in den vergangenen paar Tausend Jahren aber nur noch langsam an. Satellitenmessungen ergeben einen Anstieg von etwa ein bis drei Millimetern pro Jahr, das wären in 1oo Jahren zehn bis 30 Zentimeter. Der aktuelle UN-Klimabericht hält für diesen Zeitraum einen Anstieg zwischen 19 und 59 Zentimetern für möglich, der Höchstwert wurde gegenüber dem Vorbericht um etwa ein Drittel zurückgenommen.
Dabei kommt der Wärmeausdehnung des Wassers vermutlich eine größere Rolle zu als zusätzlichem Schmelzwasser. Es gibt Regionen, in denen der Pegel sich etwas schneller erhöht, in anderen sinkt er. Das deutet daraufhin, dass natürliche und zyklische Einflüsse eine Ausdehnung des Wassers infolge der Erwärmung deutlich überlagern. Die Weltmeere sind keine spiegelglatte Wassermasse, die lediglich der Krümmung der Erdkugel unterliegt. Weil Masse und Anziehungskraft der Erde ungleich verteilt sind, weist die Meeresoberfläche Senken und Höhen mit einem Unterschied von bis zu 130 Metern auf. Auch Winde und Strömungen lassen den Meeresspiegel an manchen Orten steigen und anderen sinken. Nach einer Studie britischer Forscher von Anfang 2007 ist der Anstieg in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts insgesamt geringer ausgefallen als in den 50 Jahren zuvor.

Aus "Hurra, wir retten die Welt - Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen" von Dirk Maxeiner, wjs-Verlag 2007

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